Chronische Urogenitalinfektionen

Autor: Dr. med. Sigrid Tapken
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Unkomplizierte Harnwegsinfekte stellen im ambulanten Bereich nach den Atemwegsinfekten den höchsten Anteil der gesamten Antibiotikaverschreibung da. (Quelle Nationale S3-LL)

Frage: Wann spricht man von einem chron. Harnweginfekt?

Antwort: Eine Harnwegsinfektion mit Beschwerden ≥ 3x/anno oder ≥ 2x/Halbjahr (aktuelle AWMF S3 LL)

Frage: Wie häufig ist es, dass sich Harnwegsinfektionen wiederholen?

Antwort:

  • Infektionen des unteren Harntraktes treten bei 50-70% der Frauen mindestens einmal im Leben auf.
  • —12% der Patientinnen, die bereits eine Blasenentzündung (Cystitis)  erlebt haben, erkranken innerhalb eines Jahres erneut.
  • —bei etwa 25% rezidivieren diese Infekte.
  • —Harnwegsinfektionen bei Männern bedürfen immer einer differenzierten Abklärung

Frage: Gibt es Gründe für gehäufte Urogenitalinfektionen?

Antwort:

hier beispielhafte Faktoren:

  • —  Das weibliche Geschlecht ist aus der Anatomie heraus prädestiniert
  • —  Bestimmte Sexualpraktiken und wechselnde Geschlechtspartner führen eher zu rez. Infektionen
  • —  Gebrauch von Diaphragmen und Spermaziden
  • —  Blasenentleerungsstörungen
  • —  Diabetes mell.
  • —  Antibiotikatherapie in den letzten 2-4 Wochen
  • —  Stuhlinkontinenz / Verstopfungen
  • —  Fehlbildungen

Frage: Warum wirken Antibiotika nicht immer gegen die Infektionen?

Antwort:

Wir haben europaweit eine zunehmende Resistenzlage der Antibiotika. Das bedeutet, dass die Antibiotika nicht gegen jeden Keim sicher wirksam sind. Daher ist eine Urinkulturbestimmung vor Antibiotikaeinnahme sehr wichtig.  So werden keine unwirksamen Medikamente verordnet und geschluckt. Denn durch unnötige Antibiotikagaben werden Schutzmechanismen des Körpers gestört, resistente Keime vermehrt und wiederholte Infektionen und Zusatzerkrankungen gefördert.

Frage: Warum habe ich nach Antibiotikagabe immer Pilzinfektionen der Scheide?

Antwort:

Durch die Antibiotikagabe wird das Darmmilieu irritiert und krank gemacht. Schleimhäute sind nicht mehr ausreichend intakt und können die Aufgabe der Keimeintrittsabwehr nicht mehr ausreichend ausführen. Gute uns helfende Keime werden durch ungezielte und wiederholte Antibiotikagaben vernichtet und krankmachende Keime machen sich breit. Der Boden für Zusatzerkrankungen, wie Mykosen (Pilze) in der Scheide, auf der Eichel und andere Infektionen können sich ausbreiten.

Frage: Welche Therapien gegen Urogenitalinfektionen sind richtig?

Antwort:

Es gibt kein richtig oder falsch! Es gehört eine differenzierte, ausführliche Anamnese und eine Untersuchung des Urins mit Antibiogramm zu den ersten Schritten. Eine Akuttherapie nach leitliniengerechter Empfehlung ist einzuleiten, dabei haben sich Phytotherapeutika durchaus als wirksam erwiesen.

Kommt es zu chron. rezidivierenden (wiederholten) Urogentitalinfektionen, so sollte eine Abklärung im Fachbereich Urologie (zuständig für Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche  mit Erkrankungen im Harn- und  Genitaltrakt) oder Fachbereich Gynäkologie (zuständig für die Frauenheilkunde ), stattfinden.

Frage: Gibt es Alternativen zur Antibiotikatherapie?

Antwort: Die Antibiotikatherapie ist unentbehrlich zur Behandlung von Infektionen, sollte aber sparsam und gezielt eingesetzt werden. Therapien auch den Naturheilverfahren, der TCM und die mikrobiologische Therapie können eine gute Ergänzung bis Ersatztherapie gegen wiederholte Infektionen sein.

Fachärzte haben dafür eine Zusatzbezeichnung mit Prüfung abgelegt und können diese Therapien sicher neben dem schulmedizinischen Spektrum einschätzen und einsetzen.  Vor einer Therapie gehört aber immer eine schulmedizinische Untersuchung mit Ultraschall.