Urodynamik

Autor: Julia Maria Begemann
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Die Urodynamik (Blasendruckmessung) ist ein diagnostisches Untersuchungsverfahren, bei dem mit Hilfe von Drucksonden und Elektroden die Funktionsweise der Harnblase untersucht wird. Dieses Untersuchungsverfahren wird eingesetzt, um verschiedene Formen der Harninkontinenz oder Blasenentleerungsstörung zu differenzieren.

In manchen Fällen macht die Blasendruckmesseung auch kurz vor einer Deszensusoperation (Operation bei Senkungsbeschwerden) Sinn, um das am besten geeignete Operationsverfahren zu wählen oder eine Aussage über die postoperative Kontinenz und mögliche Anschlusstherapien treffen zu können.

Während der urodynamischen Messung wird über einen transurethralen Harnblasenkatheter (in die Harnröhre eingeführt) eine individuelle Menge an Kochsalzlösung in einer definierten Geschwindigkeit in die Harnblase der Patientin gefüllt, um den sich kontiniuierlich veränderten Blasenruhedruck in Abhängigkeit zur Befüllungsmenge und einer künstlich erzeugten Belastungssituation, durch forcierte Hustenstöße der Patientin, zu ermitteln. Des Weiteren lässt sich der Verschlussdruck der Harnblase in Ruhe und unter Belastung, der zunehmende Harndrang als auch die maximale Blasenkapazität feststellen. Mittels eines rektalen Katheters wird zum Abgleich der Blasenmesswerte der Abdominaldruck (Druck im Bauch) gemessen. Durch zwei Elektroden, die seitlich der beiden großen Labien (Schamlippen) angebracht werden, kann zudem die Aktivität der Beckenbodenmuskulatur bestimmt werden.

Im zweiten Abschnitt der Urodynamik wird neben einem Ruheprofil der Harnröhre ein sogenanntes Streßprofil erstellt, bei dem unter kurz aufeinander folgenden forcierten Hustenstößen der Patientin bei einem definierten Füllungsvolumen der Harnblase der Druck- und Verschlussdruck der Harnröhre unter Belastung bestimmt werden kann.

Sämtliche Messwerte der Zystometrie werden kontinuierlich dokumentiert und jeweils in Form einer Kurve innerhalb eines Kurvendiagramms aufgezeichnet und zueinander in Beziehung gesetzt. Die so erhaltenen Druck- und Flusskurven verdeutlichen je nach Ausprägung, welche Form der Inkontinenz vorliegt oder welche andere Erkrankung Ursache der Beschwerden sein kann, welche Folgediagnostik zur weiteren Abklärung sinnvoll und welche Therapie zur Behebung der Beschwerden die Geeignete ist.