Konservative (nicht operative) Therapieansätze bei Belastungsinkontinenz

Autor: Dr. med. Robert Schäfer
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Eine etablierte, nicht-medikamentöse und nicht-operative Behandlung der Belastungsinkontinenz ist das Beckenbodentraining, das zu einer Stärkung der Beckenbodenmuskulatur und zur Erlernung seines koordinierten Einsatzes führt. Das Verfahren wird am erfolgreichsten unter der Anleitung einer spezialisierten Physiotherapeutin erlernt. Der zusätzliche Einsatz von Biofeedback- oder Elektrostimulations-Geräten kann den Lernprozess beschleunigen und die Effektivität verstärken. Um spürbare Erfolge zu erreichen müssen die Übungen konsequent und langfristig angewendet werden. Dabei werden Heilungs- bzw. Besserungsraten zwischen 45 - 75 % erreicht.

Bei der Anwendung von mechanischen Hilfsmittel, wie Pessare oder (Inkontinenz-) Tampons, die in die Scheide eingeführt werden, wird die Lage der Harnröhre durch leichten Druck stabilisiert, so dass z. B. beim Husten oder Niesen, aber auch bei sportlichen Aktivitäten ein stabiler Blasenverschluss erreicht werden kann. Das Pessar wird individuell angepasst und nach Anleitung kann es die Patientin selbstständig einsetzen und entfernen. Der Effekt einer Pessartherapie wird durch ein zusätzliches Beckenbodentraining verstärkt.

Bei der medikamentösen Therapie wird die lokale Therapie der Scheide mit östrogenhaltigen Zäpfchen oder Salben während der Wechseljahre und danach empfohlen. Zusätzlich gibt es das Medikament Duloxetin, das zwar nicht die Inkontinenz heilt, aber die Anzahl der Inkontinenz­­episoden während der Einnahme vermindert. Hier ist eine sorgfältige ärztliche Begleitung erforderlich.

Da Übergewicht ein Risikofaktor für eine Belastungsinkontinenz ist wird eine Gewichtsreduktion von über 5% empfohlen.